Die Seele der Wallfahrt

Die Seele der Wallfahrt

Unsere allseits beliebten und anerkannten geistlichen Begleiter, die hochwürdigen Herren mögen mir verzeihen, wenn ich nicht sie, sondern unseren leiblichen Betreuer Hans Vojtek als die Seele der Wallfahrt bezeichne. Er ist  nicht nur der einzige, der alle 50 Mal mitgegangen ist, sondern von Beginn an  der unermüdliche Motor und perfekte Organisator dieser Fußwallfahrt. Er ist es auch, der den liebevollen Geist in die Organisation bringt, denn er organisiert so perfekt nicht aus reinem Perfektionismus, sondern aus Liebe zu und Respekt vor den Menschen, für die er da ist. Jeder Teilnehmer spürt das, auch wenn der Hans einmal die Nerven verliert und laut wird (was heute kaum mehr vorkommt).

Wie viel Arbeit in den Vorbereitungen steckt, kann nur ermessen, wer Einblick in die Teilnehmerlisten und Quartierlisten, die Kontrolllisten der Quartierlisten, das Verfahren für lückenlose Kontrolle durch Quervernetzung (ein eigens dafür entwickeltes Computerprogramm hilft dabei) bekommen hat. Kein Computer hilft allerdings beim Anfahren  der Quartiere und Verhandeln über Anzahl und Preis der Unterkünfte. Eine logistische Meisterleistung ist auch das Mitführen und Aufteilen des Gepäcks. Ein ausgeklügeltes System von Kennzeichnung und Checklisten (ähnlich wie bei Flugreisen) und die sorgfältige Mitarbeit der Chauffeure sorgen dafür, dass jeder Wallfahrer am Abend seinen Koffer vor der Türe seines Zimmers findet. Und wenn es trotzdem vorkommen sollte, dass ein Koffer nicht da ist, dann fährt der Hans persönlich bis spät in die Nacht, um ihn zu suchen. Denn einen unglücklichen Wallfahrtsteilnehmer darf es einfach nicht geben!

Als der Ältere von zwei Geschwistern wuchs Hans in den schwierigen Kriegs- und Nachkriegsjahren bei der Mutter in Perchtoldsdorf auf. Der Vater war in den letzten Kriegstagen gefallen und die Mutter – plötzlich alleine mit den beiden Kindern – fand als eines von sechs Kindern einer Weinhauerfamilie Rückhalt in ihrer großen Familie und als gläubige Frau viel Trost in der Religion. Die mütterliche Liebe und die gläubige Erziehung legten sicher den Grundstein für Hans späteres Wirken in der Gemeinschaft. Neben der Wallfahrt organisiert er seit langem die jährliche Pfarrfahrt und viele sonstige Veranstaltungen und Feste. Seit 27 Jahren begleitet ihn seine  Frau, Helga, die ihn bei allen Aktivitäten kräftig unterstützt. Der Höhepunkt dieses Wirkens für die Pfarre war die Verleihung des päpstlichen Ordens „Pro Ecclesia et Pontifice“, der ihm 2002  von Kardinal Dr. Christoph Schönborn im Kreise der engsten Familie und Freunde feierlich überreicht  wurde. Welche Freude, dass seine Mutter das noch erleben durfte.

Als gelernter Gärtner lebt er in der Natur und für die Natur. Das Organisieren hat er in den Jahren als Pionier in Melk gelernt – vor allem das Brückenbauen! Waren es hier die Behelfsbrücken über die Donau, so konnte er dann in seiner Tätigkeit beim Bauamt Perchtoldsdorf viele Brücken zu den Menschen schlagen. Bei der Kanalisierung von Perchtoldsdorf lernte er fast jeden Perchtoldsdorfer kennen und die Perchtoldsdorfer lernten ihn schätzen.

Als Jugendwart des Alpenvereins organisierte er die erste Wallfahrt 1967, als Tourenwart und geprüfter Tourenführer des ÖAV führte er unzählige Gruppenwanderungen und mehrwöchige Wanderreisen durch ganz Europa, darunter fünfmal auf dem Jakobsweg von den Pyrenäen bis zum Atlantik. Beliebt und immer ausgebucht sind seine Touren, denn sie versprechen volles Erlebnis ohne Risiko in einer liebevollen Gemeinschaft.

Hans weiß, was für die Gruppe gut ist. Hans weiß, was für die Menschen gut ist!
Die Liebe zur Natur und zu den Menschen macht ihn zum begnadeten Führer.

Danke, Hans!
Dr. Walter Eichberger

Hans Vojtek vor der 50. Wallfahrt (aus dem Buch 50 Jahre Wallfahrt)

49 Mal sind wir nach Mariazell gepilgert, das 50zigste Mal steht vor uns.

Liebe Fußwallfahrer!
Es ist mir, als wären es nur ein paar Jahre her, dass wir das erste Mal gegangen sind. Die Zeit ist wie im Flug vergangen.

Durch die Arbeit bei der Zusammenstellung des Buches wurde es mir richtig bewusst, dass die Jahre so schnell vergangen sind. Wenn ich auf unsere erste Wallfahrt zurückblicke, die wir, DI Dr. Walter Eichberger und ich als zwei Jugendführer unserer Alpenvereins-Gruppe eine Jugendwallfahrt nach Mariazell in unser Programm aufnahmen und unseren damaligen jungen Kaplan Dr. Franz Reiter fragten, ob er mit uns die Wallfahrt leiten möchte, sagte er sofort: „Ja“. Aber  keine Jugendlichen haben sich angemeldet, nur Erwachsene.  Es waren das Ehepaar Luzzia und Karl Hudribusch, Elisabeth Zimmermann (verehel. Wydler), sowie Henriette und Johann Ruthofer. Die drei Letztgenannten hat der Herrgott bereits zu sich geholt. Aber wir acht gingen nach Mariazell. Was daraus wurde, wissen wir ja jetzt, 49 Mal eine Fußwallfahrt.

Viele Ereignisse haben wir zu meistern gehabt:

War es 1973, als wir die Wallfahrt wegen der Maul- und Klauenseuche auf September verschieben mussten, als uns 1975 der Wirt am Kernhofer Gscheid das bestellte Quartier nicht gab mit dem Hinweis die Kommunisten seien ihm lieber (er war betrunken), und deshalb mussten wir die Wallfahrer nach Annaberg bringen,  seit damals nächtigen wir in Annaberg.

Als 1979 eine vierte Hauptschulklasse mit Frau HS-Lehrerin Christa Ladner teilnahm, wie wir 1980 das erste Mal unser Wallfahrts-Heft mit den Andachten, Gebeten und Liedern herstellten und jeder ein Heft mittrug, im gleichen Jahr fertigte Herr Christian Wildenauer unser Tragekreuz aus Kirschholz an, das anfangs viel „Für und Wider“ brachte, aber seit damals immer mitgetragen wurde.

1984 gab es zwei Ereignisse, ab der Kugelwiese schneite es kräftig und wir hatten mehr als knöcheltiefen Schnee, und nach Mayerling wurde unser Mitpilger
Wilhelm Sperka aus unserer Mitte gerissen und starb an einem Herzinfarkt.Wir haben an dieser Stelle einen Gedenkstein mit Tafel errichtet und pflegen diesen immer noch. Die nächsten Jahre verliefen, Gott sei es gedankt, unfallfrei.

Bei unserer 19. Wallfahrt 1985 nahmen zum ersten Mal aus unserer Partnerstadt Donauwörth acht Personen an der Wallfahrt teil, seit damals pilgern sie immer mit, Frau Stöffelmeir Traudl bereits 28 Mal.

1986 war unsere zwanzigste Wallfahrt. Zu diesem Anlass errichteten wir auf der Kugelwiese unser Wallfahrerkreuz, hergestellt von unserem Mitpilger Franz Huber aus Imst. Auch gaben wir eine Broschüre 20 Jahre Fußwallfahrt nach Mariazell heraus.

Zur 25. Wallfahrt schnitzte unser Mitpilger Franz Huber den Christuskopf, den wir auf unserem Tragekreuz angebracht haben.

Bei der 28. Wallfahrt 1994 nahm ein junger Mann, Herr Ing. Robert Wagner, das erste Mal an der Wallfahrt teil. Er unterstützte gleich unsere Jugend, die aus Perchtoldsdorf und Kaltenleutgeben teilnahm und die Hl. Messen unter Leitung von Petra Pich gestaltete. Später übernahm er selbst die Gestaltung der Hl. Messen, und wir wissen, wie wunderbar.

Zur 30. Wallfahrt erstellten wir wieder eine Broschüre mit vielen Beiträgen der Wallfahrer, wie bei der zwanzigsten Wallfahrt.

Zur 40. Wallfahrt überraschte uns in Annaberg in der Nacht ein Schneefall mit knietiefem Schnee, der um 4.00 Uhr in der Früh von den Fahrern alles abverlangte, aber es gab, Gott sei Dank, keinen Unfall.

Gab es auch oft starken Regen, Gewitter und Hagel, haben wir nie abbrechen müssen. Waren die Wallfahrer wie 2014 nass bis auf die Haut, beim Kirtag in Rohr waren alle wieder fröhlich, lachten und tanzten.

Am 31. Jänner 2002 war für mich ein großer Tag, ich bekam von Kardinal Dr. Christoph Schönborn die Päpstliche Medaille „Pro Ecclesia et Pontifice“ .

So bleibt mir nur noch eines über, zu danken: 
Danken unserem Herrgott, dass er uns die vielen Jahre so wunderbar geschützt hat.
Danken unserer Mutter Gottes Maria, dass sie uns immer unter ihren Schutz genommen hat und sicher zu ihrer Gnadenstatue in Mariazell geleitet hat.

Danken unserer geistlichen Begleitung, allen Priestern, die uns in den langen Jahren begleitet haben:
– Pfr.  Dr. Franz Reiter, der uns 46 Jahre begleitet hat
– Unserem Prälat Ernst Freiler, der uns 38 Mal begleitet hat
– Pater Johann Deutsch aus Leoben 1974 und 1975, leider schon verstorben
– Pfr. Mag. Josef Lambert Markl 1980
– Diakon Mag. Josef Grünwidl 1988
– Pfr. Mag. Orgelmeister Dietmar 1989 und 1990
– Pater Anton Karg msc aus Donauwörth 1990
– Pfr. Dr. Wolfgang Schwarz 1996
– Prof. Dr. Wolfgang Langer 1996 und 1998
– Pfr. Karl Schmiedt aus Pommelsbrunn – Bayern 2005, 2006 und 2007
– Unserem neuen Pfarrer Mag. Josef Grünwidl, der sofort mit Begeisterung dabei war, seit er die Pfarre übernommen hat.

Danken will ich allen, die mir bei der Durchführung der Wallfahrten geholfen haben:
– Allen Fahrern, die das viele Gepäck verladen, getragen und sich sehr bemüht haben, damit alles am richtigen Ort ankomme.
– Den Damen, die sich um  die Transporte der Musikinstrumente, sowie die Unmengen von Medikamenten und Verbandmaterial gekümmert haben.
– Den Damen, die sich um die medizinische Betreuung gekümmert haben und stundenlang die Blasen und Wunden versorgt haben.
– Den Herren, die sich auch um die Begleitung der Wallfahrer bemüht, sowie auch mich sehr unterstützt haben.
– Der Familie, die mit mir „Quartiermachen“ gefahren ist, aber auch den Herren, die fallweise eingesprungen sind.
– Allen Firmen, die uns die Busse zur Verfügung gestellt haben.
– Den Herren, die unsere Festbroschüren gestaltet und hergestellt haben.
– Den Herren, die für unser jährliches Wallfahrtsheft die graphische Gestaltung gemacht haben.
– Der Jugend, die uns die Hl. Messen gestaltet haben, sowie allen die jetzt die Gestaltung übernommen haben.
– Den Gastwirten, dass sie uns immer die Quartiere nach Wunsch zur Verfügung gestellt haben.
– Danken den Herstellern unseres Tragkreuzes und des Kreuzes auf der Kugelwiese.
– Danken allen, an die ich nicht gedacht habe, und die doch auch so viel geholfen haben, sei es beim Zusammenlegen der Hefte und verschiedenen anderen Arbeiten.
– Danken will ich euch, liebe Wallfahrer, dass ihr diesen immer wieder stattfindenden Wallfahrten so lange die Treue gehalten habt. Ich habe bewusst keinen Namen genannt, damit ich ja keinen vergessen kann.
– Danken will ich allen, die uns durch ihre Spenden, Werbeeinschaltungen und Leihen bei der Finanzierung des Buches geholfen haben.
– Danken will ich besonders meiner lieben Frau Helga für ihr großes Verständnis und für ihre Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung der Wallfahrten.

So bleibt mir zum Schluss noch die Hoffnung, dass die Wallfahrten nach der 50. Wallfahrt, wenn ich aufhöre, noch lange weiter durchgeführt werden und dass sich Personen finden, die die Leitung der Wallfahrt übernehmen. Möge mein Wunsch in Erfüllung gehen!

So schließe ich mit vollem Herzen und grüße Euch
Hans Vojtek

Bericht aus dem Buch 50 Jahre Fusswallfahrt von Perchtoldsdorf nach Mariazell

Fotos: Privat, Verein der Freunde der Wallfahrt von Perchtoldsdorf nach Mariazell, Biggi Kempter, Dona Grafik Design